Nicht alle Extras machen beim Autokredit Sinn

Nicht nur bei Fahrzeugen kann die Grundausstattung um vielfältige Extras erweitert werden. Zusätzlicher Komfort ist auch bei der Finanzierung möglich. Sowohl Banken als auch Händler bieten Käufern verschiedene Optionen zur Erweiterung ihres Kredits – sehr oft handelt es sich um Restschuldversicherungen. Genau wie die Extras beim Auto können auch die Zusatzoptionen beim Kredit das Vorhaben teuer machen.

Analog zur Entwicklung auf dem Markt bei Ratenkrediten ohne Zweckbindung finden sich auch bei Autokrediten immer häufiger Angebote, bei denen ein Kredit mit einer Restschuldversicherung kombiniert werden kann. Restschuldversicherungen sollen den Kreditnehmer vor Zahlungsausfällen infolge verschiedener Ereignisse schützen und dadurch zum einen die Finanzierung sicherstellen und zum anderen eine Beschädigung der persönlichen Bonität vermeiden.

Restschuldversicherungen sind extrem teuer

Der Leistungsumfang von Restschuldversicherungen umfasst in der Regel sowohl krankheitsbedingte Berufsunfähigkeit als auch unverschuldete Arbeitslosigkeit. Kann der Kreditnehmer aus einem der beiden Gründe kein Einkommen mehr erzielen, übernimmt die Versicherung vorübergehend die Raten. Auch eine Todesfallleistung gehört dazu: Im Fall der Fälle wird der bestehende Saldo abgelöst.

Der größte Nachteil von Restschuldversicherungen ist ihr Preis. Je nach Anbieter fallen zwischen 0,25 und 0,3 Prozent der anfänglichen Kreditsumme monatlich an. „Anfänglich“ bedeutet, dass die Prämie nicht etwa im Zeitverlauf sinkt, nur weil dies für den valutierenden Kreditbetrag auch gilt, wenn laufend Raten gezahlt werden.
Bei 0,25 Prozent monatlich beläuft sich die Gesamtprämie bei einem Autokredit mit 60 Monaten Laufzeit auf 15 Prozent der Nettokreditsumme. Bei einem Mittelklassefahrzeug im Wert von 25.000 Euro kostet der Versicherungsschutz dementsprechend 3750 Euro. Zum Vergleich: Die Finanzierungskosten bei einem Kredit über 25.000 Euro mit 5 Jahren Laufzeit belaufen sich bei einem Effektivzins von 6 Prozent p.a. auf knapp 3900 Euro. Die Restschuldversicherung führt somit praktisch zu einer Verdopplung der Finanzierungskosten.

Viele Einschränkungen im Kleingedruckten

Banken bieten Restschuldversicherungen gerne an, weil sich damit offenbar gutes Geld verdienen lässt. Die Konditionen bei Restschuldversicherungen sind im Übrigen für alle Kreditnehmer gleich – eine Risikoeinstufung findet nicht statt. Für die meisten Versicherten dürfte die Prämie deshalb unangemessen hoch ausfallen. Der Abschluss einer Versicherung darf nicht Voraussetzung für die Zustimmung der Bank zu einem Kredit sein. Die Kosten der Police müssen nicht in den effektiven Jahreszins mit eingerechnet werden (dies ist auch bei keinem Anbieter der Fall).

Anders als bei gewöhnlichen Ratenkrediten gibt es bei Autofinanzierugen jedoch noch einen weiteren Grund, keine Restschuldversicherung abzuschließen, als nur den Preis. Kreditnehmer sind im Besitz des Fahrzeugs und können dieses im Notfall verkaufen und dadurch den Kredit ablösen. Deshalb erscheinen die Kosten für den Versicherungsschutz zusätzlich unangemessen.

Wer sich für den Fall von Einkommenseinbußen wappnen möchte, sollte keine Versicherung abschließen, sondern auf möglichst faire Kündigungsbedingungen beim Kredit achten. Geht z.B. der Arbeitsplatz verloren, ist es wichtig, dass der Kredit mit dem Verkaufserlös des Fahrzeugs gekündigt werden kann, ohne dass hohe Kosten anfallen.
Die Kosten bei der Kündigung eines Kredits bestehen im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Zum einen kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, zum anderen ist die bei Auszahlung des Darlehens fällige Bearbeitungsgebühr verloren. Im Hinblick auf die Vorfälligkeitsentschädigung gelten recht unmissverständliche gesetzliche Regeln: Banken dürfen nicht mehr als 1 Prozent des abgelösten Saldos verlangen.

Anders bei der Bearbeitungsgebühr, die im Effektivzins enthalten, aber nicht immer ersichtlich ist. Sie variiert je nach Bank zwischen 0 und 5 Prozent des Nettokreditbetrages.